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Vertrauen

Es fehlt mir an Selbstvertrauen. Immer noch. Mein Hang zum Perfektionismus hält mich oft davon ab, Dinge einfach anzugehen. So wie diese Website. Oder ein Fünf – Gänge – Menü zu kochen. Bei beiden weiß ich, dass das Ergebnis nicht meinen Vorstellungen entsprechen wird. Mein Mann ist da anders. Meine Söhne auch. Überhaupt legen Männer oftmals eine interessante Selbsteinschätzung an den Tag. Meine Tochter ist wie ich. Tatsächlich kenne ich viele Frauen, die ihre Leistungen fast zwanghaft unterschätzen, obwohl sie gar keinen Grund dafür hätten. Danke, Menschheitsgenese! Und jetzt frage ich dich: Könnte es sein, dass wir uns selbst ständig ausbremsen, weil wir zu sehr Angst vor dem haben, was andere von uns, unserem Leben, unserer Website, unseren Kochkünsten … halten?

Ich habe in den letzten Jahren eine Menge gelernt. Unter anderem, dass Perfektionismus eine Illusion und der Hang zum Grübeln kopfzerstörerisch ist. Dass Dinge, die für uns große Bedeutung haben, für andere Menschen relativ bedeutungslos sind. Dass Menschen ihre Meinung kundtun und sich dann wieder ihrem eigenen Leben zuwenden. Weil es das ist, was sie in Wirklichkeit am meisten interessiert. Also kann ich auch schreiben, wie und was ich will, und muss meine Lebenszeit nicht mit Ängsten und Bedenken vergeuden. Denn am Ende wird man sich darüber grämen, möglicherweise ein Leben geführt zu haben, dass mehr aus Muss als aus Will bestanden hat.

An dieser Stelle kannst du ganz zu Recht fragen: Und wenn ich von dem, was mir Spaß macht, nicht leben kann? Die Wahrheit ist, die Wenigsten können vom Schreiben leben. Oder vom Musik machen, Malen oder Filme drehen. Es sei denn… Aber das wäre ja… Genau!

Ich sag’s offen, willst du ein kreatives Leben haben, wirst du in den seltensten Fällen davon leben können. Denn Kunst ist eine seltsame Chimäre. Talent reicht nicht, um erfolgreich zu werden. Auch nicht Disziplin. Ein Freund meines Sohnes ist ein brillanter Musiker und obwohl er talentiert, leidenschaftlich und fleißig ist, kann er von seiner Musik nicht leben. Für Kunst scheint Glück und Zufall, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtigen Menschen zu treffen, noch viel ausschlaggebender zu sein als es sowieso schon ist. Also schreibe ich und gebe nebenher Workshops und Seminare und der Freund meines Sohnes räumt vormittags Paletten im Globus ein. Ich glaube, du musst deine Sachen ernst nehmen, aber nicht zu ernst. Du musst sie gut machen, aber im Kopf behalten, dass niemand wirklich sagen kann, was gut ist. Und du musst vertrauen. Dir selbst und dem Leben. Ich bin nicht mehr jung, ich bin noch nicht alt. Aber ich habe keine Zeit mehr zu vertrödeln. Irgendwie haben wir das doch alle nicht, oder?

Also möchte ich mir keine schlaflosen Nächte bereiten über die Frage, ob ich dich in meinem Blog duzen kann oder lieber doch ein höfliches Sie benutze. Tatsache ist, ich duze lieber. Es gibt mir das Gefühl von Nähe und Vertrautheit. Das nimmt den Druck raus. Auch beim Schreiben. Weil man zu Menschen, mit denen man sich verbunden fühlt, offener sein kann. Auf meiner Website wechsele ich zwischen beiden Anredeformen. Das ist bewusst gewählt, aber vielleicht ist es dir gar nicht aufgefallen. Siehste!


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