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Aktualisiert: 26. Jan. 2023

Obwohl das neue Jahr erst ein paar Wochen alt ist, fühlt es sich für mich nicht mehr neu an. Das macht mich etwas traurig. Ich liebe Neuanfänge. Der erste Schritt in frischgefallenem Schnee, das erste Schneeglöckchen, das bimmelt, der erste Kuss, die erste Liebe, der erste Blick in die Augen eines Neugeborenen… erste Male sind ein Staunen in die Welt. Ungetrübtes pures Innehalten. Leider werden die ersten Male proportional zur Lebenszeit immer weniger. Ich bemerke eine gewisse Unlust an Dingen, die mir früher sehr wichtig waren. Zum Beispiel, Pläne fürs neue Jahr zu schmieden, Wünsche und Vorsätze aufzuschreiben, in der Silvesternacht mit Sekt anzustoßen. Aber dann, danach oder manchmal auch genau in dem Moment, beschleicht mich eine etwas abergläubische Angst. Was, wenn ich dem Jahr schon zu Beginn einen Tritt verpasst habe, weil ich noch vor Mitternacht im Bett lag – gemeinsam mit grippekrankem lieben Herrn und lärmverängstigtem kleinen Hundewelpen? Weil ich am nächsten Morgen zu unausgeschlafen und zugebenermaßen auch etwas verkatert war, um mir Vorsätze auszudenken? Weil meine Wünsche seit Jahren immer dieselben sind und ich nicht in der Silvesternacht in den lichterzerpflücktem Stadthimmel „Willkommen, neues Jahr?“ rausgeschmettert habe?

Ich tröste mich mit der Erinnerung, wie zuversichtlich und frohgemut ich ins letzte Jahr gegangen bin. Übertriebene verschwenderische Freude, denn das Jahr entpuppte sich als extrem herausfordernd, unter permanenter Anspannung und Sorge. Was beweist, dass ein lausiger Neubeginn kein schlechtes Omen sein muss, genauso wenig wie andersrum. 2023. Wohl kaum ein Jahr je wurde mit so viel feuerloderndem Getöse begrüßt. Unbändige Nach – Pandemie – Erregung. Es ging mir auf die Nerven: eine Welt außer Rand und Band. Wieder mal.

Gestern hat es geschneit. Alles wirkte unter der weißen Schneedecke friedlich. Gedämpftes Leben. Meinetwegen könnte der Schnee bis Anfang März liegenbleiben. So wintermärchenmäßig, frostig verzauberte Welt. Unter der Schneedecke ein paar gute Gedanken säen, die dann hervorsprießen. Das ist ein schönes Bild, oder?

Ich wünsche mir, dass die Welt 2023 ein friedlicherer Ort werden möge. Wenn ich mir schon nichts anderes gewünscht habe…

Hab auch du ein sehr gutes Jahr. Egal, wie und wo du es begonnen hast. Dass die Tage auch ohne unser Zutun vergehen, ist eine Tatsache. Aber ihnen immer ein kleines Glück abzutrotzen, das wäre doch ein guter Vorsatz für 2023, oder?

In diesem Sinne, bleib gesund und zuversichtlich. Bis bald!

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