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Doch!

„Ich bin verwurzelt, aber ich fließe.“ Virginia Woolf


Wirklich jetzt? Eine Website, einen Blog, Vernetzung und digitales Getrommele, dort, wo jeder trommelt? Was soll ich sagen, außer: Doch! Und obendrauf ein Versprechen an mich. Kein Schreiben mit Hintergedanken, keine Beiträge, um zu gefallen. Ich möchte Freude empfinden, wenn ich schreibe und keine angespannte Unsicherheit. Virtuelles Tagebuch, das gefällt mir fast. Auch wenn es ein Oxymoron ist.

Ich bin 9 Jahre und beginne mein erstes Tagebuch. Fast ehrfürchtig schreibe ich die ersten Zeilen: Liebes Tagebuch, ich hoffe, es wird dich nie jemand lesen außer ich. Denn dir vertraue ich alle meine Geheimnisse an.

Bis heute schreibe ich Tagebuch. Ich schreibe nicht regelmäßig, denn besonders in Zeiten, in denen ich unglücklich bin, ist es mir unmöglich, zu schreiben. Es scheint, als ob mein kreatives Gehirn verkrampft, obendrauf legt sich ein irrationaler Aberglauben. Wenn ich es in Worte packe, mein Leid, mein Unglück, dann ist es manifestiert. Die Annahme, dass Leiden und Schmerz zum Künstlersein dazugehören, kann ich also nicht teilen. Ich schreibe am besten, wenn es mir gut geht. Freude ist wohl eine genauso authentische Erfahrung wie Schmerz. Der Vorteil von Freude liegt jedoch auf der Hand: sie fügt dir keinen Schaden zu.

Ja, ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Wenn ich schreibe, fühle ich mich wohlsten. Kreativität ist wohl ein natürlicher Impuls, egal ob es Musik, Malerei oder jede andere Form von Kunst ist. Und Kunst führt Menschen zusammen, das macht sie so kraftvoll.

Es ist ein seltsames Gefühl, einen Blog zu haben. Und es ist mir noch nicht ganz klar, auf was ich mich damit einlasse. Im besten und im schlechtesten Falle wird man ihn lesen oder auch nicht. Vor beiden fürchte ich mich ein wenig. Aber dann flüstert der kleine Schreibwolf in mir: „Stell dich nicht so an. Schreib einfach los, was hast du zu verlieren.“ Das ist erschreckend, aber auch wunderbar. Weil eine große Freiheit darin liegt.

„Ich bin verwurzelt, aber ich fließe.“ Dieses Zitat von Virginia Woolf begleitet mich ein halbes Leben. Alles ist in Veränderung, alles kann jeden Tag anders sein, auch ich bin nie dieselbe, aber ich bin immer ich selbst. Was ich eigentlich sagen wollte: ich lade dich ein in meine Welt. Und ein allerletzter Gedanke zum Schluss: Es ist Fiktion und Wirklichkeit. So wie Kunst doch eigentlich immer. Ich mag es, wenn sich Grenzen auflösen. Bleib gesund, sei grenzenlos. Bis bald!

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