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Nun

Nun. Das Leben geht weiter. Es geht einfach weiter und kümmert sich nicht um uns. „Das Leben geht weiter.“ Diese natürliche Formel vom Leben und Sterben klingt weder schlimm noch tröstlich. Es ist einfach nur ein Satz, der den Lauf der Dinge zusammenfasst. Ich lebe, arbeite, räume die Spülmaschine ein und wieder aus, esse, schlafe. Draußen ist es Sommer geworden. Es wird wieder ein großer Sommer werden, befürchte ich. Ein weiterer Klimawandelsommer, der sich fordernd und bedrohlich ausbreitet.

Jeder hat seine Geschichte von Krankheit und Tod. Jeder erlebt seine Verluste und trägt seine Narben. Ich wünschte, ich könnte besser damit umgehen. Aber dann wäre ich wohl nicht mehr ich. Es gibt keine wirkliche Freiheit. Man muss seine Zeit nutzen. Wenn ein Abschied naht, bekommt man ein anderes Gefühl von Zeit. Man lässt sie nicht länger verschwenderisch verstreifen.

Meine Eltern sind alt geworden. Das kann ich schwer begreifen, obwohl ich es ja sehe. Wir waren zusammen weg, ein paar Tage, zusammen mit meinem Bruder und meiner Schwester. Mein Vater, meine Mutter und ihre drei erwachsenen Kinder. Ein paar Tage gemeinsame Zeit. Als wir uns verabschiedeten, hielt ich sie lange umarmt. Sehr lange, um nicht eine Sekunde unserer gemeinsamen Zeit herzugeben. In mir ist ein großer Widerstand. Ein Widerstand, einsehen zu müssen, dass man den Weltenlauf nicht aufhalten kann. Ihm nur Akzeptanz entgegensetzen kann. Dass ich das mittlerweile begriffen habe, heißt nicht, dass ich mich ergebe.

„Gefahr? Ich hab' keine Angst vor Gefahr. Hörst du mich, Gefahr? Ich lach dir ins Gesicht!“ Ich bin Simba.

In diesem Sinne, leb wild und fürchte dich nicht. Ich wünsche dir einen atemlosen Juni.

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